Beeinträchtigungen erleben – Empathie entwickeln …
Wie fühlt es sich an, nicht gut hören oder sehen zu können? Welche Herausforderungen bringt eine körperliche Beeinträchtigung im Alltag mit sich? Diesen Fragen gingen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8d des Sozialwesenzweigs an einem besonderen Projektvormittag nach, der von Frau Herrmann und Frau Neubauer organisiert wurde.

An insgesamt acht Stationen hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, Beeinträchtigungen nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie praktisch zu erfahren. Zu den Angeboten zählten unter anderem ein Altersanzug mit Gewichtsweste, ein Rollstuhlparcours, Blinden-Domino, das Schreiben mit Braille-Tafeln, erste Übungen in Gebärdensprache, eine Tinnitus-Simulation sowie spezielle Simulationsbrillen, die unterschiedliche Sehbeeinträchtigungen nachempfinden ließen.

In Kleingruppen durchliefen die Schülerinnen und Schüler alle Stationen. Dabei wurde schnell deutlich, wie anstrengend, ungewohnt und herausfordernd viele alltägliche Situationen sein können, wenn Sinne oder Beweglichkeit eingeschränkt sind. Besonders das Navigieren im Rollstuhl oder das Erkennen von Buchstaben in Texten mit eingeschränktem Sehvermögen forderte Geduld und Konzentration.

Im Anschluss an jede Station reflektierten die Gruppen ihre Erfahrungen: Wie haben sie sich gefühlt? Welche Schwierigkeiten traten auf? Und was bedeutet das für den Umgang mit Menschen, die dauerhaft mit solchen Beeinträchtigungen leben? Die Gespräche zeigten, dass der Perspektivwechsel viele Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeindruckte und ihr Bewusstsein für Rücksichtnahme, Barrierefreiheit und respektvolles Miteinander stärkte.

Der Projektvormittag ist dabei eingebettet in eine umfassende Unterrichtsreihe zum Thema Beeinträchtigungen, die sich methodisch bewusst vielfältig gestaltet. Selbstgesteuerte Lerneinheiten am Tablet wechseln sich mit kooperativen Gruppenarbeiten ab und ermöglichen den Jugendlichen, sich dem Thema auf unterschiedlichen Zugängen zu nähern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf der Praxisnähe: Durch die Kooperation mit der Stiftung St. Johannes kommt es zu persönlichen Begegnungen mit Mitarbeitenden und Klientinnen und Klienten, die den Unterricht authentisch und lebensnah bereichern.

Diese enge Verbindung von Theorie, praktischem Erleben und persönlicher Begegnung zeichnet die Arbeit im Sozialwesenzweig besonders aus. Der Projektvormittag war für alle Beteiligten ein voller Erfolg und zeigte eindrucksvoll, wie nachhaltiges Lernen gelingen kann – mit Kopf, Herz und Hand.
Text/ Fotos: Martina Herrmann



